Freitag, 17. Oktober 2014

High Schools vs. Deutsche Schulen

Die Schulen in Amerika und die Schulen in Deutschland sind komplett unterschiedlich. Das ganze Schulsystem differenziert sich immens. In Deutschland geht man vier Jahre lang auf die Grundschule und sucht sich dann eine der drei weiterführenden Schulen aus (Hauptschule, Realschule und Gymnasium). Normalerweise hängt die Wahl der weiterführenden Schule mit dem Abschlusszeugnis der Grundschule ab.
In Amerika ist es komplett anders. Du gehst vier Jahre lang auf die Elementary School, dann vier weitere Jahre auf die Middle oder auch Junior School genannt und dann gehst du auf die populäre High School, egal was deine Noten sagen. Die besuchst du dann wieder vier Jahre. Und dann bekommst du deine "Graduation". Du musst solange auf die Schule gehen, als wärest du auf einem deutschen Gymnasium, obwohl du in Deutschland vielleicht nicht die Noten für ein Gymnasium hättest.
Du kannst hier in Amerika deine Kurse selber wählen. Mathe, Englisch und Geschichte sind meist Pflichtfächer, jedoch kannst du den Schwierigkeitsgrad selbst bestimmen. Das führt aber oftmals dazu, dass du mit höheren oder niedrigen Klassenstufen in einem Kurs bist. Du hast keine feste Klasse, mit der du alle Fächer zusammen hast.
Was ich besonders cool auf den meisten High Schools finde, ist, dass sie ziemlich tolle Fächer, wie zum Beispiel Kochen, Psychologie, Kindsentwicklung, etc. All die Fächer, die man in Deutschland erst in der Kursstufe oder gar nicht wählen kann.
Die Noten hier sind keine Zahlen, sondern Prozente oder Buchstaben (A = 1,...). Mündliche Noten gibt es fast gar nicht, man ruft einfach rein oder alle sagen es auf einmal. Wenn ein Lehrer mündliche Noten vergibt, dann bekommt man nach dreimal was sagen ein A.
Die Noten können die Eltern und die Schüler im Internet sehen. Um Zugang zu bekomme, müssen sie ein Benutzername und ein Passwort angeben. An meiner Schule besitzen alle Schüler und Lehrer ein iPad und somit werden die Tests und Quizze gar nicht ausgeteilt. Die Noten werden nur in eine bestimmte "Notenapp" eingetragen, die dann die aktuelle Note in den jeweiligen Fächern ausrechnet.




Mein Stundenplan:
Schulanfang: 8:00 Uhr
1. Biology 2
2. English 10 (todeslangweilig und die Lehrerin steht auch schon mit einem Fuß in ihrem Grab) 
3. Religion 10 (todeslangweilig)
4. Algebra 2 (Lieblingsfach! Ja, das ist ernst gemeint)
5. Study Hall (kann dort meine Hausaufgaben machen oder lernen, der Lehrer ist auch total cool drauf)
    Lunch! (um Einiges besser als in öffentlichen Schulen)
6. AP Spanish (bin nur mit Seniors in einem Kurs)
7. Health & Wellness (Gesundheit, Ernährung, Körper, Drogen,..)
8. Drawing 2 (Lieblingsfach!) 
Schulschluss: 15:05 Uhr

Jeden Morgen vor Unterrichtsbeginn und am Ende des Tages gibt es "Announcements" und jeden Morgen wird die "Pledge" mit der rechten Hand auf der linken Brust aufgesagt ("I pledge alligance to the flag...).
Meine Lieblingsfächer sind Mathe und Kunst, da die Lehrerinnen echt toll sind und ich in Kunst immer besser werde und es mir total Spaß macht. Die Lehrerin zeigt einem richtig, wie man was genau machen muss und dann kommt echt immer was Tolles dabei raus. 


Jeder Lehrer unterrichtet nur ein Fach. Es gibt eine Mathelehrerin für Algebra für bestimmte Stufen und dann gibt es noch ein Geometrielehrer. Es gibt eine Spanischlehrerin, die nichts anderes als Spanisch lehrt und es gibt zum Beispiel auch nur eine Geschichtslehrerin. Das heißt, dass Lehrer täglich den ganzen Tag den allergleichen Stoff unterrichten und sie geben sich auch keine große Mühe den interessant zu gestalten oder mal etwas Anderes machen. Oftmals lehren Lehrer jahrelang jeden Tag den gleichen Stoff.
Die meisten Lehrer sind total cool drauf und richtig nett. Sie behandeln dich mehr wie ihr Freund als wie ihr Schüler und machen auch viele Witze und "dissen" einen. Das ist echt toll. Oftmals wird man auch "Sweetie" oder "Honey" genannt, was anfangs echt komisch war, ich mich jetzt aber dran gewöhnt habe. Klar, es gibt immer scheiß Lehrer, wie zum Beispiel meine uralte Englischlehrerin, aber solche gibt es überall, auch in Deutschland. Sonst sind alle meine Lehrer ziemlich toll und auch total nett und lustig.
Die Lehrer kommen nicht wie in Deutschland zu dem Klassenzimmer der Schüler, sondern die Schüler kommen zu dem Zimmer des Lehrers. Dieses ist nach dem Geschmack des Lehrers eingerichtet. Die Spanischlehrerin hat zum Beispiel überall Wörter auf Spanisch hängen, die Geschichtslehrerin  überall Poster über ein wichtiges Event in der Vergangenheit. Manche Lehrer haben einen Kühlschrank oder eine Mikrowelle in ihrem Zimmer stehen. Und nicht zu vergessen, die amerikanische Flagge! Die findet man in jedem (!) Zimmer.

Was mir besonders aufgefallen ist, ist das sehr niedrige akademische Level, selbst auf meiner Privatschule. In Mathe (Algebra 2) nehmen wir zum Beispiel Themen durch, die ich in der 8. Klasse schon hatte.
Alle Schüler kämpfen täglich um ihre sogenannten "Credits". Man bekommt Credits für  Hausaufgaben, obwohl die Lehrer meistens nur abhaken, ohne einen Blick drauf geworfen zu haben. Man schreibt jede Woche ein Ouiz oder Test. Ein Quiz ähnelt einem deutschen Test und ein Test einer deutschen Arbeit, obwohl beides um einiges einfacher ist, da man meist nur die richtige Lösung ankreuzen muss, und somit nur alles auswendig lernen muss. Das kann aber auch als ziemlich hart sein, wenn man jeden Tag ein Quiz oder Test schreibt und dann zusätzlich noch in fast jedem Fach Hausaufgaben auf den nächsten Tag erledigen muss. Mir ist es schon passiert, dass ich ein Quiz und zwei Tests an einem Tag hatte.

Oftmals darf man aber das Buch oder seine Aufschriebe bei den Quizzen oder Tests benutzen, was für mich und euch wahrscheinlich völlig absurd klingt. Mir bringen die Aufschriebe nicht immer viel, da ich zum Beispiel noch nie die englischen Biologiebegriffe gelernt habe und somit nicht alles verstehe, aber ich habe schon sehr große Fortschritte bemerkt.

Jeder Schüler hat den bekannten "Locker", in dem er seine Bücher aufbewahrt, wenn er sie nicht für seine Hausaufgaben oder für sein Fach braucht. Ohne Locker wäre ich wahrscheinlich schon längst zusammengebrochen. "Normale" Bücher haben um die 1500 Seiten und sind größer als ein Din A4 Blatt. Nein, das ist kein Witz.

mein "kleines" Mathebuch
Ich bevorzuge das deutsche Schulsystem, da man einfach viel mehr in viel weniger Zeit lernt. Man hat meistens um 13:00 Uhr aus und hat auch keine Tonnen an Hausaufgaben, die man bis auf den nächsten Tag erledigen muss und die dann benotet werden. Amerikanische Schüler haben einen immensen Druck, nicht weil der Stoff schwer ist, zumindest nicht für mich, sondern weil sie andauernd um Punkte kämpfen müssen. Sei es mit den Hausaufgaben oder den wöchentlichen "Quizze".
In Deutschland sind die Noten schon wichtiger geworden, als dass man wirklich was lernt, in den Staaten aber ist das viel schlimmer. Selbst den Lehrern geht es nur um gute Noten und nicht, dass der Schüler wirklich was lernt.

Der Sport hier ist ein Riesenthema. Jeden Freitag finden Football Games statt und die halbe Schule schaut zu und feuert an. Dabei geht es nicht direkt um Football, sondern um einen Treffpunkt zu haben, wo man sich mit Freunden trifft und Spaß hat. Anschließend geht man meistens noch zu einem Fast Food Restaurant und isst eine Kleinigkeit zusammen. Hier ist das viel einfacher, weil fast jeder sein eigenes Auto hat und somit nicht auf seine Eltern angewiesen ist.

Mir persönlich gefällt das deutsche Schulsystem um Einiges besser. Liegt vielleicht daran, dass ich normalerweise in Deutschland auf die Schule gehe, aber es ist einfach viel effektiver. Du bist nicht jeden Tag solange in der Schule, lernst viel mehr, musst nicht so viele Hausaufgaben machen und nicht so oft lernen. Deutsche Schule hören sich jetzt viel einfacher an, sind sie aber nicht. Amerikanische Schüler würden in Deutschland wahrscheinlich überhaupt nicht klarkommen, da alle schon viel weiter sind. Das liegt auch daran, dass in Deutschland ab der 5. Klasse die Schüler in "schlecht", "mittel" und "gut" (von den Noten her) eingeteilt sind und man so immer eine ungefähr gleich gute Klasse hat. In Amerika sind alle guten und nicht so guten Schüler auf einer Schule.

ja, es sieht wie in den Filmen aus
Cafeteria


Serena

Dienstag, 7. Oktober 2014

1 Monat USA

Monstertrucks, Fast Food an jeder Ecke, der wöchentliche Einkauf um 12 Uhr nachts, 3 Liter Colas, kilometerlange Highways, jeden Freitag Football. Das ist Amerika.
Ich bin jetzt seit einem Monat/ 36 Tagen in den Staaten und vor 49 Tagen habe ich Deutschland verlassen. Ich weiß nicht, ob ich das lang oder kurz finden soll. Es ist beides. Wenn ich jetzt zurückblicke, kommt es mir wie eine Ewigkeit vor seit ich das letzte Mal meine Freunde und Familie gesehen habe. Aber wenn ich dann wieder überlege, dass ich seit fast einem Monat hier bin, fühlt es sich irreal an. Dieser Monat hat sich so kurz angefühlt. Wenn ich überlege, was ich bis jetzt schon alles erlebt und "überlebt" habe. Unglaublich.
Ich vergesse ziemlich oft, dass ich nicht mehr in Deutschland bin, dass ich 7000 Kilometer entfernt im Land der unbegrenzten Möglichkeiten bin. Ich habe mich so langsam wirklich eingelebt, habe meinen geregelten Tagesablauf. Letzte Woche hat mich mein Heimweh verfolgt, aber das wurde mit jedem Tag besser und jetzt spüre ich es kaum noch. Klar, das Vermissen ist immer da, manchmal spüre ich es mehr, manchmal weniger. Ganz wird es wohl nie weg gehen, aber das geht wahrscheinlich jedem Austauschschüler so. Das gehört dazu und damit kann ich leben. Diesen Preis zahle ich gerne für all meine Erlebnisse hier in meinem neuen Zuhause.

Ich muss sagen, ich bin jetzt eigentlich ziemlich glücklich. Ich habe eine Gastfamilie, die ich jetzt schon in mein Herz geschlossen habe, selbst den Hund und auch meine Schule ist nicht ganz so übel, was nicht heißt, dass ich das deutsche Schulsystem nicht sehr wertschätze.
Es ist so toll Schwestern zu haben. Es gibt zwar sehr viel Geschrei und Streitereien über Kleinigkeiten, wie zum Beispiel, wer das Shirt heute anzieht, aber selbst das ist lustig, denn fünf Minuten später ist alles wieder vergessen und in bester Ordnung. Es ist einfach wundervoll immer jemanden da zu haben, den man mal um Rat in Sachen Jungs oder Klamotten oder sonst was fragen kann, mit dem man im Auto lauthals zu Songs singt oder, dass man einfach mal ein "love u" zu hören oder eine Umarmung bekommt. Auch so Kleinigkeiten tragen dazu bei, dass ich mich immer wohler in meinem neuen Leben auf der anderen Seite der Welt fühle.

Letztes Wochenende war ich auf einer Überraschungsparty eingeladen. Es war echt cool! Es gab eine Bar mit Schokoerdbeeren, Nachos mit "Cheese" und noch extrem viel mehr. Wir haben Cornhole gespielt, was ein typisch amerikanisches Spiel ist, bei dem man mit Säckchen (ich denke, die waren mit Mais gefüllt) versuchen muss auf Platten, die ein Loch haben, zu zielen. Beim Treffen der Platte bekommt man eine bestimmte Anzahl an Punkten, aber wenn man ins Loch zielt, wird diese verdoppelt.
Auch kennengelernt habe ich den "Cha Cha Slide" und den "Wobble Dance", was zwei Gruppentänze sind, die echt richtig Spaß machen, wenn alle mitmachen.

Was aber eher einen Schock bei mir verursacht hat, war das Auftauchen einer unserer Lehrer. Ich war total fassungslos während die Anderen diesen herzlich begrüßt, abgeklatscht und sowas wie umarmt haben. Selbst bei den Tänzen hat er hochmotiviert mitgemacht.
Was ich da gemerkt habe, ist, dass die Beziehung von Schüler und Lehrer hier viel offener als in Deutschland ist. Lehrer und Schüler behandeln sich wie Freunde, aber mit gewissem Respekt. Ich weiß noch nicht, wie ich darüber denken soll. Bis jetzt finde ich es aber ziemlich cool, obwohl es sich sehr komisch anfühlt, wenn dich die Lehrerin mit "What's up, Girl?" begrüßt. 


Geburtstagskind in Action

Vorgestern Abend sind wir dann "toiletpapering" gegangen, was echt bombe war! Toiletpapering ist Häuser von anderen voll mit Toilettenpapier zu dekorieren. Die Chance dabei erwischt oder von Hunden gejagt zu werden erhöht das Adrenalin sofort. Meine ehemalige Gastfamilie hat auch eine kleine Überraschung bekommen. Haben es nur gut gemeint.
schuldig!


SISTERS FOR MISTERS! 
wie gesagt: nur gut gemeint

Serena 


Donnerstag, 18. September 2014

Neustart!

Ich hätte nie gedacht, dass man in so wenigen Tagen so viele Entscheidungen treffen kann. Doch ja, es ist möglich.

Mexico war schön. Es gab zwar ein paar kleine Zwischenfälle in Bezug auf meine Gesundheit, aber das hat sich zum Glück wieder gelegt.

Ich bin also am 31.08. in den Flieger Richtung Cincannati gestiegen.


auf dem Weg in die Staaten 
Am Tag darauf kam ich dann morgens um 6 Uhr (Ortszeit) an. Meine Gastfamilie hatte verschlafen und so mussten meine Mama und ich noch um die zwei Stunden warten. Das war aber nicht so schlimm, da ich am Flughafen WLAN hatte und mich frisch gemacht und umgezogen habe, da es doch ziemlich frisch war.
Als dann meine Gastfamilie endlich kam, haben wir uns alle herzlich begrüßt und umarmt. Anschließend sind wir in das Zentrum von Cincannati reingefahren. Die Stadt war aber so gut wie ausgestorben, da Labor Day (nationaler Feiertag) war und so ziemlich alle Geschäfte zu hatten.
Also sind wir zu einer riesigen Buchhandlung, da ich nach einem Buch sehen wollte. Danach sind wir über die Brücke nach Ohio. Ich war bis jetzt also schon in Indiana, Ohio und Kentucky!


Nach einem Stopp bei einem Burgerrestaurant, einer einstündigen Fahrt und einem kurzen Besuch in meiner neuen Schule, kamen wir dann endlich in meinem neuen Zuhause an. Ich hatte leider kein eigenes Zimmer, aber ich verstand mich gleich mit meiner kleinen, achtjährigen Gastschwester.
Meine Mama und ich packten erstmal aus und legten uns dann hin, da man sich von drei Stunden Schlaf nicht lange auf den Beinen halten kann.

Am nächsten Morgen bin ich um halb 6 aufgestanden, hab mich geduscht, angezogen und dann ging es auch schon mit meiner Mama im Gepäck zur Schule. Dort wartete sehr viel Papierkram auf mich, unter anderem auch das Wählen meiner Schulfächer. Auch das Aussuchen meiner Schuluniform. Nach mehreren Stunden wurde ich dann einfach in den Unterricht gesetzt. Die Klasse schrieb gerade einen Test und somit hatte ich nicht viel zutun. Nach der Stunde haben mich gleich schon welche gefragt, ob ich mich beim Lunch zu ihnen setzen möchte. Ich holte meine Tasche und gesellte mich zu ihnen. Sie waren total nett und haben mich gleich anderen vorgestellt.
Trotzdem hatte ich die ganze Zeit das Gefühl, dass das hier nicht das Richtige ist, nicht das, was ich wollte. Die Schule ist sehr sehr sehr christlich. Überall hängen Kreuze, Marias und Religion ist ein Pflichtfach. Ich im Gegensatz kann mit Kirche überhaupt nichts anfangen. Der Sport kommt nicht wie üblich an erster Stelle, sondern wird nur nebenbei praktiziert. Und auch die Fächer sind ziemlich "normal". Es gibt also keine untypischen Fächer wie zum Beispiel Psychologie oder Kochen. Das Alles zusammen brachte mich dazu meine Mama zu bitten, zu versuchen eine öffentliche Schule zu besuchen.
An dem Abend hatte ich zum ersten Mal Heimweh, obwohl meine Mama bei mir war. Ich hätte niemals gedacht, dass ich so schnell Heimweh haben würde.
Aber ich denke, die Enttäuschung der Schule und die Zwischenfälle mit meiner Gastfamilie waren einfach zu viel für mich. Meine Mama und ich sind daraufhin spazieren gegangen (wir waren die einzigen Fußgänger!) und sind an einem Kino vorbeigekommen. Wir suchten einen Film aus und schauten ihn uns zur Ablenkung an.
Am nächsten Morgen bin ich samt Uniform und 5 Stunden Schlaf wieder in die Schule. Nach nur wenigen Stunden meldete sich mein Magen wieder und ich hatte höllische Kopfschmerzen. Ich ging in das Büro des Admission Director (ich habe keine Ahnung, wie das auf Deutsch heißt). Ich wusste, dass meine Mama zu Hause war und somit versuchte ich sie dort zu erreichen. Niemand ging ran. Auch meine Gastmutter ging nicht an ihr Handy. Nach mehreren Anrufen und Stunden ging dann endlich meine Mama ran und meinte, das Telefon wäre weggesperrt gewesen. Nach nochmal zwei Stunden waren dann endlich meine Mama und meine Gastmutter da, um mich abzuholen.


sexy Schuluniform 
Anschließend fuhren wir direkt zu der öffentlichen High School von Greensburg. Meinem Magen ging es immer noch nicht gut, aber ich wusste, dass meine Mama bald abreisen würde und das mit der Schule bis dahin geklärt werden müsste. Also sprachen wir dort mit dem Direktor persönlich und der meinte nach einem längeren Gespräch, wir sollten morgen wieder kommen.

Abends sind wir dann noch in die örtliche Bibliothek, um ein paar Dokumente auszudrucken. Dort merkte ich wegen ein paar Zwischenfälle noch deutlicher, dass die Gastfamilie nichts für mich ist, dass ich kein ganzes Jahr alleine mit ihnen unter einem Dach leben kann.
Meine Mama versuchte mich zu beruhigen, was aber nicht geklappt hat. Am darauffolgenden Morgen sind wir zu der Schule, haben alles geklärt, inklusive meinem Stundenplan. Und der war wirklich toll! Bis es dann zu meinem Pass kam. In meinem Visum steht drin, welche Schule ich hier eigentlich besuchen sollte. Also ist es nicht möglich mit der Art von Visum, die ich habe, eine andere Schule als die Oldenburg Academy zu besuchen.

Die Tatsache, dass ich nicht mit meiner Gastfamilie ein Jahr lang leben kann und keine eigentlich vorgesehene Transportmöglichkeit hatte, brachten meine Mama und mich zu dem Entschluss, dass ich wieder nach Deutschland fliegen muss. Ich war enttäuscht und zur gleichen Zeit überglücklich meine Freunde wieder zu sehen. Selbst meine Schule in Deutschland vermisse ich. Ich war also total erleichtert.
An dem gleichen Tag sind meine Mama und ich wieder zum Kino gelaufen und haben uns was Süßes zu essen geholt. Anschließend haben wir die Nachbarschaft erkundet, viele Bilder geschossen und die Nachbarmädels (13 und 16) angesprochen.



ja, das ist ein "kleiner" Slushy

Wir haben uns vorgestellt, sie gefragt, wie ihnen ihre öffentliche High School gefällt und plötzlich, ohne zu fragen, haben sie sich als Gastfamilie angeboten. Meine Mama und ich waren total geschockt, dass uns das gerade einfach so angeboten wurde.
Am nächsten Tag sind wir zusammen mit den Mädels zu ihrer Schule (North Decatur High School) und haben gefragt, ob sie ein bestimmtes Dokument ausstellen können, das ich brauche, um die Schule in meinem Visum zu ändern. Die Antwort lautete: "nein".
Also war es endgültig. Ich werde zurück nach Deutschland fliegen und mein Leben dort weiterleben. In meinem eigenen Zuhause wohnen, auf meine Schule gehen und meine Familie und Freunde wieder sehen, die ich wirklich höllisch vermisse.
Da es nicht möglich war sofort meinen Flug zu buchen, da ich erst 14 bin und somit noch nicht alleine so weit fliegen darf, fragte meine Mama, ob ich bis zu meinem baldigen Abflug bei den Mädels wohnen und denen ihre Schule besuchen kann.
Am selben Tag sind wir dann zu einem Football Game der Oldenburg Academy Twisters und sie haben gewonnen! Es war ziemlich cool, aber ich habe schnell gemerkt, dass es nicht um Football geht, sondern einfach nur einen Anlass zu haben, sich mit mehreren Freunden an einem Treffpunkt zu treffen.



go Twisters!

Am nächsten Tag brachte ich meine Mama an den Flughafen, was zwar hart war, aber da ich davon ausging, sie die nächste Woche wieder zu sehen, war es erträglich. Doch dem war nicht so. Am Abend bin ich mit meinen Gastschwestern ins Kino und am nächsten Tag sind wir in eine Mall in Greenwood, eine Stunde entfernt von Greensburg, und haben wie wild geshoppt. Ich war ziemlich erfolgreich! In Amerika shoppen ist göttlich!
Am Montag war dann mein erster Tag an der North Decatur. Es war ziemlich langweilig, da ich nichts zutun hatte und nur mein Buch las. Und so ging das dann die ganze Woche. Nur in "Art" konnte ich ein Auge zeichnen, auf das ich jetzt ziemlich stolz bin.

erster Tag an der NDHS! 

Wir haben die Woche ziemlich coole Sachen gemacht. Wir sind Motocross und Quad gefahren, ich hab die Großeltern von den Mädels kennengelernt, die unglaublich nett sind, waren auf einem Football Spiel der North Decatur Chargers und in King's Island, einem Vergnügungspark, in dem es wirklich riesige Achterbahnen gibt.

meine Schwestern und ich <3
ohja, ich bin selber gefahren!
Die ganze Woche hab ich drüber nachgedacht doch länger zu bleiben, da ich ja eine neue Gastfamilie hatte und doch eine Transportmöglichkeit zur Oldenburg Academy. Da die Schule mir aber gar nicht gefällt/gefallen hat, wollte ich nur noch nach Hause.

Jetzt hab ich mich aber doch dazu entschieden hier zu bleiben, aber erstmal bis Weihnachten. Das ist für mich bis jetzt genug, da ich ziemlich Angst habe, zu viel in Mathematik und anderen Fächern, die ich in der Kursstufe haben werde, zu verpassen und bis jetzt von schlimmem Heimweh geplagt werde. Somit werde ich erstmal bis Weihnachten bleibe, also das erste Semester hier beenden und dann weitersehen, ob ich doch ein ganzes Jahr machen will oder wieder nach Deutschland zurückkehre.

Meine zwei ersten Wochen in Amerika waren ziemlich hart und enttäuschend. Das ständige Hin und Her, ob ich hier bleibe oder nach Deutschland zurückkehre, die Schule, die mir von Anfang an nicht besonders gefallen hat, der Gastfamilienwechsel und das schreckliche Heimweh waren nicht ganz einfach zu bewältigen. Und das Heimweh hab ich immer noch nicht ganz bewältigt, ich merke aber eine Verbesserung. Wird jeden Tag besser, vorallem wenn ich beschäftigt bin. Ich mache mir morgens immer einen Plan, was ich diesen Tag zu welcher Zeit machen werde. Meistens halte ich mich nicht an die Zeiten, aber so bin ich zumindest beschäftigt.
Es ist ziemlich schwer alleine in einem fremden Land zu leben. Auch wenn du unter anderen Leuten bist, fehlt dir immer etwas. Sei es deine Mama, deine Freunde, dein Bett, dein Lieblingsessen oder auch deine Schule. Der Satz, "Home is where your heart is", ist wahr. Mein Körper ist hier in Amerika, mein Herz aber 10000 Kilometer (genau genommen 7098 km) weit entfernt in Deutschland.


Serena

Montag, 18. August 2014

Letzter Abend auf deutschem Boden

Es ist ein total komisches Gefühl. Ich realisiere es gar nicht, dass das jetzt der letzte Tag in Deutschland, in meinem zu Hause für die nächsten 10 Monate war. Es ist unvorstellbar, dass ich die ganzen Dinge, die ganzen Menschen um mich rum, die ich jeden Tag gesehen habe, für eine längere Zeit nicht mehr sehen werde. Ich werde immer trauriger und panischer. Es ist wirklich so. Man überlegt immer öfter alles abzublasen. So zu tun als wäre nichts passiert. All das vergessen.
Doch dann denke ich an meine Schule und Familie dort und was für tolle Dinge und Möglichkeiten auf mich zukommen werden und ich weiß, dass das alles diese ganzen Abschiede und die Panik wert sind.
Ich habe den Tag nochmal mit einer sehr guten Freundin verbracht, bin noch einmal durch meine Mini Stadt gelaufen und habe tourilike Bilder von dem Rathaus,... gemacht. Anschließend bin ich zu einem Geburtstag einer anderen sehr guten Freundin und habe dort den Abend verbracht und mich schließlich auch von ihr endgültig verabschiedet.
Ich freue mich total auf den Urlaub mit meiner Mama, da wir uns das nach diesem turbulenten Jahr wirklich verdient haben und es schön ist meine letzten Wochen mit ihr an einem so schönen Ort wie Cancún zu verbringen.

Serena

Sonntag, 17. August 2014

Visum, Abschiede, Abflug

Seit Mai ist enorm viel passiert!


Ich habe mich den ganzen Juni lang gegen dieses Auslandsjahr entschieden. Ich hatte Panik bekommen, meine ganzen Freunde und Familie zu verlassen, so viel (Geburtstage,...) zu verpassen und in der Kursstufe nächstes Jahr nicht mehr mitzukommen.
Am Ende kam ich dann aber doch zu dem Entschluss, dass ich dieses Jahr machen muss, da ich so eine Chance nur einmal in meinem Leben bekommen werde.
Also bin ich am 6. August (ein Mittwoch) mit meiner Mama nach Frankfurt zum amerikanischen Konsulat gefahren. Ich muss sagen, dass die Amerikaner ein bisschen arg übertreiben. Man kann es sich wie die Sicherheitskontrolle an Flughäfen vorstellen. Durch das ganze Theater hindurch im "Haupthaus" angelangt, wurde überprüft, ob ich alle notwendigen Dokumente mit habe und schon ging es zum ersten Schalter. Dort wurde mein Passfoto und meine Fingerabdrücke eingescannt. Das Ganze wurde auf Deutsch geregelt. Bei dem nächsten Schalter wurden meine Fingerabdrücke von einer Englisch sprechenden überprüft. Bei dem darauffolgenden Schalter wurde ich auf Englisch gefragt, ob ich Familie in den Staaten habe, jemals dort gewesen bin, wie alt ich bin, ob ich Schülerin bin oder schon arbeite und was meine Eltern für Berufe haben. Das dauerte, wenn überhaupt, 5 Minuten. Das war dieses berühmte "Interview". Ich habe gar nicht verstanden, dass es das schon war. Vorallem nicht, weil die Dame nichts von meinem genehmigten Visum erwähnte, sondern nur meinen Pass behielt. Ich ging also völlig ahnungslos zu meiner Mutter, die dann meinte, dass ich mein Visum habe! Ich dachte, ich würde mich mehr freuen, habe es aber gar nicht realisiert, dass ich jetzt endgültig mein Jahr in den Staaten verbringen kann. Aus dem Konsulat rausgekommen, musste ich es erst einmal meinen Freunden und meiner Familie schreiben. 

Am darauffolgenden Samstag lag dann mein Pass inklusive Visum in meinem Briefkasten, obwohl es hieß, dass es bis zu 10 Tagen dauern könnte.

Die letzten zwei Wochen hab ich mit Bekanntgeben meines Auslandsjahrs (wollte es erst sagen, wenn es 100% sicher ist) und Verabschieden verbracht. 
Meine Freunde waren geschockt und wollten es nicht glauben. Da es meine letzten zwei Wochen auf deutschem Boden waren, war ich kaum zu Hause und hab ständig was unternommen. Diese zwei Wochen waren unglaublich!

Letzten Mittwoch war ich dann mit meiner Mama stundenlang Dinge kaufen, die ich für mein Jahr brauche. 


Am Freitag habe ich dann angefangen zu packen und das ist überhaupt nicht einfach. Wie soll man denn bitte jetzt schon wissen, was man in ein paar Monaten anziehen möchte? Heute und morgen Abend werde ich die letzten Dinge einpacken, da es übermorgen früh mit meiner Mama nach Cancún, Mexico geht. Wir bleiben dort zwei Wochen und fliegen dann am 31.08. nach Cincannati, damit ich endlich in meine Schule dort kann. 


Serena 







Freitag, 30. Mai 2014

Wieso, Weshalb, Warum?

Ich hatte die letzten Wochen ein kleines Tief. Ich habe mich immer wieder gefragt, wieso ich das Alles überhaupt mache. Wieso ich meine Familie, meine Freunde, mein ganzes Leben zurücklasse und in ein mir noch unbekanntes Land zu einer unbekannten Familie fliege. Wieso ich meiner Mama und mir so viel Arbeit und so viel Papierkram aufgehalst habe. Wieso habe ich mich dazu entschieden mein Leben hier für 10 Monate zu stoppen, in Amerika ein neues Leben anzufangen, das ich nach 10 Monaten wieder verlassen werde, um hier mein Leben wieder weiterzuleben?
Ich hab mich immer wieder die gleichen Dinge gefragt, hatte immer wieder die gleichen Ängste, die ich auch heute noch habe.

Dann hab ich aber wieder vermehrt Blogs von Austauschschülern gelesen, die entweder gerade eins machen oder eins, so wie ich dieses Jahr machen werden. Ich war wieder Feuer und Flamme und habe auch endlich wieder den Grund für mein Auslandsjahr gewusst! Ich will Neues erleben. Ich will eine High School besuchen und den bekannten School Spirit spüren. Ich will in einen englischen Film gehen und nicht überlegen müssen, was die Schauspieler gerade gesagt haben. Ich will shoppen bis ich umfliege. Ich will  Football- oder Basketballspiele besuchen und mit der Menge mitjubeln. Ich will auf Englisch denken und träumen. Und genau aus diesen Gründen will ich mich in dieses einmalige Erlebnis wagen. Ich will nicht mehr, dass Amerika das unbekannte Land bleibt. Ich will eine zweite Familie, Freunde und ein zweites Leben auf der anderen Seite der Welt besitzen.


Serena


P.S.: Ich hab heute das Passfoto für die Beantragung des Visums machen lassen. Schrecklich diese Bilder!

Dienstag, 20. Mai 2014

Papierkram, Papierkram, Papierkram

Ich habe von allen möglichen Lehrern Empfehlungsschreiben und auch eine beglaubigte Kopie meines Zeugnisses eingesammelt, da das meine zukünftige High School verlangt hatte. Auch zum Impfen musste ich, was aber keine große Sache war und ich heute wieder machen werde.
Die Frau von meiner Schule dort, die sich Annette nennt, hat uns immer wieder gemailt und ich habe mich jedes Mal wie ein kleines Kind über ihre Mail gefreut :D

Ich war vorletztes Wochenende in Rom, da wir zu der Kommunion meines Cousins gefahren sind. Es war superschön!




Als wir spät nachts wieder zu Hause angekommen sind, wartete vor der Tür ein Päckchen für mich. Ich wusste sofort von wem das war. Nämlich von meiner High School!

Ich packte es natürlich sofort aus und fand darin ein Schulshirt, das wichtige I-20 (endlich!), eine Broschüre über die Schule, ein Plakat, wieso die Schule so toll ist und den Schulvertrag. Ich habe mich riesig gefreut und zog auch gleich das neue Shirt an!

Seit da haben wir leider gar nicht mehr mit der Annette geschrieben, obwohl meine Mama und ich uns natürlich herzlich für das Päckchen bedankt haben.


Auch den Termin beim Konsulat für das Visum müssen wir noch vereinbaren, können wir aber noch nicht, da uns noch ein paar Dokumente fehlen und wir den Termin nicht verschieben wollen.


Serena